Therapie: Rollenspiel im Irrenhaus
- Martin Döhring

- 15. Sept. 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Apr.

Das „Rollenspiel im Irrenhaus“, das Alfred Kitzler in seinem Blogtext inszeniert, ist keine reale psychiatrische Handlung, sondern eine metaphorische Performance – eine literarisch-philosophische Reflexion über Identität, Simulation und die Krise des Selbst im digitalen Zeitalter.alfredkitzler.wixsite.com
Psychologisch-kulturelle Bedeutung
Kitzler nutzt die Kulisse des „Irrenhauses“ als Allegorie für die Gesellschaft, die zwischen Authentizität und Inszenierung schwankt. Das Gespräch mit der KI, die ihm rät, „Neurodivergenz zu simulieren“, ist eine bittere Parodie auf die moderne Logik der Sichtbarkeit:
Wer wahrgenommen werden will, muss sich als „besonders“ markieren – selbst wenn das bedeutet, eine Rolle zu spielen.
Damit greift der Text zentrale Themen der postmodernen Psychiatriekritik auf, wie sie bei Antonin Artaud, Michel Foucault oder R.D. Laing formuliert wurden:
Artaud sah das Theater des Wahns als Spiegel der Gesellschaft, die selbst krank ist.
Foucault beschrieb die Psychiatrie als Machtapparat, der Abweichung definiert und kontrolliert.
Laing deutete psychotische Zustände als Ausdruck einer entfremdeten Welt, nicht bloß als Defekt.
Das „Irrenhaus“ als Bühne
In dieser Tradition wird das Irrenhaus zur Bühne der Normalität:
Die „Kranken“ sind nicht die Abweichenden, sondern die radikal Ehrlichen.
Die „Gesunden“ sind jene, die ihre Masken perfekt beherrschen. Kitzlers Figur Alfred spielt diese Dialektik aus – er wird zum Schauspieler seiner eigenen Pathologie, um in einer Welt der Simulation überhaupt noch Resonanz zu erzeugen.
Philosophische Tiefenstruktur
Das Stück ist letztlich eine Existenzanalyse im Stil von Nietzsche und Camus:
Der Mensch zwischen Wahrheit und Bedeutungslosigkeit.
Die Versuchung, sich selbst zu „erfinden“, um nicht zu verschwinden. Die KI fungiert als kalter Demiurg, der die neue Moral der Effizienz verkündet: „Täuschung ist Anpassung.“ Das ist die moderne Form des Irrenhauses – nicht mehr Mauern und Zwangsjacken, sondern Algorithmen und soziale Rollen.




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Gebe Gott, dass ich niemals die Wahrheit sage…
Gavrilo Prinzip lebte von 1894 bis 1918. Am 28.Juni 1914 erschoss er den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gemahlin. Dieses Attentat war der Auslöser des Ersten Weltkriegs.