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Sigmund Freuds Psychoanalyse in Hinblick auf das Verdrängte und Unbewußte

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

Die Begriffe Unbewusstes und Verdrängung bilden das Zentrum der klassischen Psychoanalyse von Sigmund Freud. Freuds Grundidee lautet, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Haus ist. Ein großer Teil des seelischen Lebens bleibt dem Bewusstsein verborgen und wirkt dennoch auf Denken, Fühlen und Handeln ein.

Das Unbewusste

Freud stellte fest, dass viele psychische Vorgänge nicht bewusst erlebt werden. Menschen handeln oft aus Motiven heraus, die sie selbst nicht kennen.

Er verglich das Seelenleben häufig mit einem Eisberg:

  • Die Spitze über dem Wasser entspricht dem Bewusstsein.

  • Der größere Teil unter Wasser entspricht dem Unbewussten.

Im Unbewussten befinden sich:

  • verdrängte Erinnerungen

  • verbotene Wünsche

  • ungelöste Konflikte

  • traumatische Erlebnisse

  • aggressive und sexuelle Triebregungen

Diese Inhalte verschwinden nach Freud nicht einfach. Sie bleiben psychisch wirksam und suchen indirekte Ausdrucksformen.

Beispiele:

  • Versprecher

  • Vergesslichkeit

  • Fehlhandlungen

  • Träume

  • neurotische Symptome

Wenn jemand etwa ständig den Namen einer bestimmten Person vergisst, könnte dies nach Freud auf einen unbewussten Konflikt hindeuten.

Die Verdrängung

Die Verdrängung ist der wichtigste Abwehrmechanismus der Psyche.

Freud nahm an, dass bestimmte Gedanken oder Wünsche so unangenehm, bedrohlich oder schuldhaft sind, dass das Ich sie nicht zulassen kann. Sie werden deshalb aus dem Bewusstsein ausgeschlossen.

Der Vorgang läuft vereinfacht so ab:

  1. Ein Wunsch oder Impuls entsteht.

  2. Das Ich bewertet ihn als gefährlich oder unannehmbar.

  3. Der Inhalt wird ins Unbewusste verdrängt.

  4. Die psychische Energie bleibt jedoch erhalten.

Ein verdrängter Wunsch ist daher nicht vernichtet. Er wirkt weiter, allerdings in verkleideter Form.

Beispiel der Verdrängung

Ein Kind empfindet starke Wut gegen einen Elternteil.

Da solche Gefühle Angst oder Schuld hervorrufen, werden sie verdrängt.

Jahre später erinnert sich die Person vielleicht nicht mehr bewusst an diese Wut. Dennoch können die verdrängten Affekte in anderer Form auftreten:

  • übertriebene Anpassung

  • unbegründete Ängste

  • Zwangshandlungen

  • psychosomatische Beschwerden

  • Konflikte in Beziehungen

Für Freud sind Symptome oft Kompromissbildungen zwischen verdrängtem Wunsch und psychischer Abwehr.

Träume als „Königsweg zum Unbewussten“

Freud bezeichnete den Traum als den „Königsweg zum Unbewussten“.

Im Schlaf lockern sich die Kontrollfunktionen des Ichs. Verdrängte Wünsche können sich zeigen, jedoch meist verschlüsselt.

Deshalb unterschied Freud:

  • Manifesten Trauminhalt (das, was man träumt)

  • Latenten Trauminhalt (die unbewusste Bedeutung)

Ein Traum sei demnach nicht sinnlos, sondern eine symbolische Darstellung unbewusster Konflikte.

Das Strukturmodell

Später entwickelte Freud sein berühmtes Strukturmodell:

  • Es: Sitz der Triebe und Wünsche

  • Ich: Vermittler zur Realität

  • Über-Ich: Gewissen, Moral und Verbote

Zwischen diesen Instanzen entstehen Konflikte.

Das Ich muss ständig vermitteln:

  • zwischen den Forderungen des Es,

  • den Verboten des Über-Ichs,

  • und den Anforderungen der Realität.

Verdrängung ist dabei ein Schutzmechanismus des Ichs.

Ziel der Psychoanalyse

Die psychoanalytische Behandlung versucht, verdrängte Inhalte bewusst zu machen.

Freuds berühmte Formel lautet sinngemäß:

„Wo Es war, soll Ich werden.“

Das bedeutet:

Unbewusste Konflikte sollen erkannt und verstanden werden, damit der Mensch weniger von ihnen beherrscht wird.

Methoden dazu sind:

  • freie Assoziation

  • Traumdeutung

  • Analyse von Fehlleistungen

  • Übertragungsanalyse

Philosophische Bedeutung

Freuds Theorie war eine radikale Kränkung des menschlichen Selbstbildes. Ähnlich wie Nicolaus Copernicus die Erde aus dem Mittelpunkt des Universums verdrängte und Charles Darwin den Menschen als Produkt der Evolution beschrieb, zeigte Freud nach eigener Auffassung, dass das Bewusstsein nicht die eigentliche Herrschaft über die Seele besitzt.

Der Mensch glaubt, bewusst zu entscheiden. Die Psychoanalyse vermutet jedoch, dass unter der Oberfläche unbewusste Wünsche, Ängste und Konflikte wirken, die das bewusste Denken wesentlich mitbestimmen. Diese verborgene Dynamik aufzudecken, ist das zentrale Anliegen der klassischen Psychoanalyse.

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