Russland: Februar- und Oktoberrevolution 1917


Die russische Revolution von 1917 war kein einzelner Umsturz, sondern bestand im Wesentlichen aus zwei Revolutionen:
1. Februarrevolution – Sturz des Zaren
Russland war durch den Ersten Weltkrieg, Versorgungskrisen, hohe Verluste und soziale Spannungen stark destabilisiert. Im Februar 1917 (nach dem damals in Russland geltenden julianischen Kalender; nach heutiger Zählung März) kam es in Petrograd zu Streiks und Massendemonstrationen.
Die Armee verweigerte zunehmend den Gehorsam. Zar Nikolaus II. dankte ab, die Romanow-Herrschaft endete.
Es entstand eine Doppelherrschaft:
die Provisorische Regierung, die Russland parlamentarisch weiterführen wollte,
daneben die Sowjets (Räte von Arbeitern und Soldaten), in denen Sozialisten erheblichen Einfluss hatten.
2. Oktoberrevolution – Machtübernahme der Bolschewiki
Die Provisorische Regierung führte den Krieg weiter und konnte die wirtschaftlichen und sozialen Probleme nicht lösen. Die Bolschewiki unter Lenin gewannen deshalb zunehmend Unterstützung mit den Forderungen:
„Frieden, Land und Brot.“
Im Oktober 1917 (nach westlichem Kalender 7. November) besetzten bolschewistische Einheiten strategische Punkte in Petrograd und stürzten die Provisorische Regierung.
Lenin und die Bolschewiki übernahmen anschließend die politische Macht.
Was danach geschah
Die Revolution führte nicht unmittelbar zu einer stabilen sozialistischen Gesellschaft, sondern zu einem mehrjährigen Bürgerkrieg (1918–1922) zwischen den Bolschewiki („Roten“) und ihren Gegnern („Weißen“) sowie weiteren politischen und nationalen Kräften.
1922 entstand schließlich die Sowjetunion (UdSSR).
Kurz als Entwicklungskette:
Zarenreich → Februarrevolution 1917 → Provisorische Regierung + Sowjets → Oktoberrevolution → Bolschewiki → Bürgerkrieg → Sowjetunion 1922
Der entscheidende historische Punkt ist dabei: Die Februarrevolution beseitigte die Monarchie; die Oktoberrevolution beseitigte die parlamentarische Übergangsordnung und brachte die Bolschewiki an die Macht.



1. Die Reise im plombierten Zug (1917)
Die Fakten: Wladimir Iljitsch Lenin reiste im April 1917 von der Schweiz aus durch Deutschland nach Russland. Da sich das Deutsche Kaiserreich und Russland zu dieser Zeit im Ersten Weltkrieg befanden, organisierte die deutsche Heeresleitung (unter Mitwirkung von Diplomaten wie Arthur Zimmermann) diesen Transport.
Das Motiv: Die deutschen Militärs erhofften sich von Lenins Rückkehr nach Russland genau das, was dann auch eintrat: Er und seine bolschewistischen Genossen sollten die dortige provisorische Regierung destabilisieren, die Kriegsmoral untergraben und idealerweise einen Separatfrieden herbeiführen, damit Deutschland den Krieg an der Westfront bündeln konnte.
Die „Plombierung“: Der Zug war zwar nicht im heutigen Sinne hermetisch versiegelt, aber es wurde vereinbart, dass weder Passagiere aussteigen noch deutsche Offiziere zusteigen durften,…