optimale Photovoltaikzelle
- Martin Döhring

- 13. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Die Zeichnung zeigt eine hocheffiziente Tandem-Photovoltaikzelle, bei der eine Perowskit-Solarzelle mit einer CIGS-Dünnschichtzelle kombiniert wird. Das Ziel dieses Aufbaus besteht darin, einen möglichst großen Anteil des Sonnenspektrums auszunutzen und dadurch einen deutlich höheren Wirkungsgrad zu erreichen als mit einer einzelnen Solarzelle.
Grundprinzip
Das Sonnenlicht besteht aus Photonen mit sehr unterschiedlichen Energien.
Blaues Licht besitzt viel Energie.
Grünes Licht mittlere Energie.
Rotes und infrarotes Licht besitzen geringere Energie.
Eine einzelne Solarzelle kann nur einen begrenzten Energiebereich optimal nutzen.
Deshalb stapelt man zwei unterschiedliche Halbleiter übereinander.
Die obere Schicht nutzt die energiereichen Photonen.
Die untere Schicht nutzt die Photonen, die die obere Schicht durchgelassen hat.
Dadurch wird deutlich weniger Sonnenenergie verschwendet.
Schichtaufbau von oben nach unten
1. ITO (Indium-Zinn-Oxid)
Ganz oben befindet sich eine transparente leitfähige Schicht.
Aufgaben:
Licht nahezu ungehindert durchlassen
elektrischen Strom sammeln
Frontkontakt bilden
ITO besitzt gleichzeitig
hohe Transparenz
gute elektrische Leitfähigkeit.
2. Spiro-OMeTAD (HTL)
HTL bedeutet
Hole Transport Layer
Diese Schicht transportiert ausschließlich positive Ladungsträger (Löcher).
Elektronen werden möglichst blockiert.
Dadurch sinken Rekombinationsverluste.
3. Perowskit-Absorber
Hier entsteht der größte Teil der Ladungsträger aus energiereichem Licht.
Im Beispiel:
CH₃NH₃PbI₃
Bandlücke:
≈ 1,65 eV
Diese Bandlücke eignet sich hervorragend für
UV-Licht
blaues Licht
grünes Licht
Der Absorber ist lediglich etwa
400 nm
dick.
Trotzdem absorbiert er fast das gesamte sichtbare Licht.
Das ist eine Besonderheit der Perowskite.
4. PCBM (ETL)
Electron Transport Layer
Diese Schicht sammelt ausschließlich Elektronen.
Löcher werden zurückgehalten.
Dadurch wird wiederum die Rekombination reduziert.
5. ZnO
Eine dünne Zinkoxidschicht dient als
Elektronenleiter
Schutzschicht
Anpassung der Energieniveaus.
6. Tunnel-Junction
Dies ist die eigentliche Verbindung zwischen beiden Solarzellen.
Sie besteht aus einer hochdotierten pn-Struktur.
Hier können die Elektronen quantenmechanisch tunneln.
Sie verbindet
obere Solarzelle
untere Solarzelle
elektrisch in Serie.
Zweite Solarzelle
Nun folgt die CIGS-Zelle.
CIGS bedeutet
Cu(In,Ga)Se₂
Bandlücke:
≈1,1 eV
Diese absorbiert besonders gut
rotes Licht
nahes Infrarot
also genau den Spektralbereich, den die obere Perowskitzelle durchgelassen hat.
Die aktive Schicht ist etwa
2200–2500 nm
dick.
CdS-Buffer
Eine sehr dünne Cadmiumsulfid-Schicht
verbessert
den pn-Übergang
die Oberflächenqualität
den Ladungstransport.
i-ZnO
Elektrisch isolierende Pufferschicht.
Sie verhindert Kurzschlüsse.
Molybdän-Rückkontakt
Mo besitzt
geringe elektrische Verluste
hohe Temperaturstabilität
gute Haftung auf Glas.
Glassubstrat
Es trägt die gesamte Solarzelle.
Energiefluss
Der Energiefluss sieht folgendermaßen aus:
Sonne
↓
ITO
↓
Perowskit
nimmt UV
nimmt Blau
nimmt Grün
↓
restliches Licht
↓
CIGS
nimmt Rot
nimmt Infrarot
↓
elektrischer StromWarum zwei Bandlücken?
Die obere Zelle besitzt
Bandlücke
1,65 eV
Die untere
1,1 eV
Dadurch wird nahezu das gesamte Sonnenspektrum genutzt.
Eine einzelne Solarzelle müsste einen Kompromiss eingehen.
Warum steigt der Wirkungsgrad?
Bei einer normalen Solarzelle entstehen zwei große Verluste:
1. Thermalisation
Ein blaues Photon besitzt beispielsweise
3 eV
Die Solarzelle benötigt aber nur
1,1 eV
Die restlichen
1,9 eV
werden zu Wärme.
2. Transmission
Rotes Licht besitzt eventuell
0,9 eV
Damit kann die Solarzelle nichts anfangen.
Das Licht geht vollständig verloren.
Bei der Tandemzelle wird dieses Problem gelöst.
Oben werden die energiereichen Photonen genutzt.
Unten die energieärmeren.
Diagramm rechts oben
Es zeigt die Optimierung der Schichtdicken.
Ist die Schicht
zu dünn,
geht Licht verloren.
Ist sie
zu dick,
steigen Rekombination und elektrische Verluste.
Es gibt deshalb eine optimale Dicke.
Diagramm rechts Mitte
Hier wird verglichen:
Einfachzelle
≈22,5 %
Tandemzelle
≈29 %
Das bedeutet
rund
30 %
mehr elektrische Leistung
auf derselben Fläche.
Heute erreichen experimentelle Perowskit-Silizium-Tandemzellen sogar Wirkungsgrade von über 34 % unter Laborbedingungen.
Warum gelten Perowskite als Zukunftstechnologie?
Perowskite bieten mehrere entscheidende Vorteile:
sehr hohe Lichtabsorption bereits in dünnen Schichten,
einstellbare Bandlücke durch Veränderung der chemischen Zusammensetzung,
potenziell kostengünstige Herstellung durch Druck- oder Beschichtungsverfahren,
gute Eignung für die Kombination mit anderen Solarzellentechnologien in Tandemzellen.
Die größte Herausforderung bleibt derzeit die Langzeitstabilität. Feuchtigkeit, Sauerstoff, UV-Strahlung und Temperaturwechsel können viele Perowskitmaterialien noch schneller altern lassen als etablierte Technologien. Gelingt es, diese Stabilitätsprobleme dauerhaft zu lösen, könnten Tandemzellen wie die dargestellte Konstruktion zukünftig deutlich effizientere Solarmodule ermöglichen als heutige Standard-Siliziumzellen.




Meine Überlegungen dazu:
Du zielst auf etwas Größeres als „ein paar Module auf dem Acker“ – eher auf ein flächiges, integriertes Energiesystem, das Landwirtschaft, Ökologie und Stromproduktion koppelt. Ich skizziere dir ein biologisch und technisch sinnvolles Grundkonzept:
1. Grundidee: Agri-Photovoltaik statt Flächenkonkurrenz
Ziel: Nicht „Feld ODER Strom“, sondern Feld UND Strom.
Prinzip:
Module erhöht (2–4 m über Boden), Reihen mit Abstand
Darunter: Nutzpflanzen, Weide, Blühstreifen
Teilverschattung → Mikroklima, weniger Verdunstung, Schutz vor Hitze
2. Flächenkonzept auf Feldern
Modul-Anordnung:
Ost-West- oder bifaziale Module:
gleichmäßigere Tagesproduktion
weniger Spitzen, besser für Netz und Speicher
Reihenabstand so, dass:
Traktoren/Erntemaschinen durchfahren können
genug Licht für Pflanzen bleibt
Teilverschattung gezielt nutzen:
hitzesensible Kulturen (Gemüse, Beeren, Salate)
Weideflächen für Tiere
3. Technische Struktur
Unterkonstruktion:
Pfostenfundamente (minimaler Eingriff in Boden)
Korrosionsbeständige…