Normalbefund EKG
- Martin Döhring

- vor 2 Stunden
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Ein Elektrokardiogramm (EKG) ist im Grunde die elektrische Übersetzung dessen, was mechanisch in deinem Herzen passiert. Um einen Normalbefund zu verstehen, schauen wir uns an, wie Ionenströme eine kontrollierte Kettenreaktion auslösen, die das Herz schlagen lässt.
Hier ist die elektrophysiologische Reise eines Herzschlags:
1. Der Taktgeber: Sinusknoten
Alles beginnt im Sinusknoten im rechten Vorhof. Er ist der natürliche Schrittmacher.
Elektrophysiologie: Die Zellen hier haben kein stabiles Ruhepotenzial. Sie "lecken" quasi Ionen (v.a. Natrium über sogenannte "Funny Channels"), bis ein Schwellenwert erreicht wird und ein Aktionspotenzial ausgelöst wird.
EKG-Korrelat: Vor der P-Welle (im EKG meist nicht direkt sichtbar).
2. Die Vorhoferregung (P-Welle)
Vom Sinusknoten breitet sich die elektrische Erregung über das Myokard der Vorhöfe aus.
Elektrophysiologie: Die Depolarisation führt dazu, dass sich die Vorhöfe zusammenziehen und Blut in die Ventrikel (Kammern) pumpen.
EKG-Korrelat: Die P-Welle. Sie sollte glatt und positiv sein (in Ableitung II).
3. Die Bremse: AV-Knoten (PQ-Intervall)
Bevor die Elektrizität die Kammern erreicht, muss sie durch den Atrioventrikularknoten.
Elektrophysiologie: Der AV-Knoten leitet den Impuls bewusst verzögert weiter. Das ist überlebenswichtig, damit die Vorhöfe Zeit haben, das Blut vollständig in die Kammern zu drücken, bevor diese kontrahieren.
EKG-Korrelat: Die PQ-Strecke (die flache Linie nach der P-Welle). Ein Normalbefund liegt meist zwischen 120 und 200 ms.
4. Die Kammererregung (QRS-Komplex)
Jetzt rast der Impuls über das His-Bündel, die Tawara-Schenkel und die Purkinje-Fasern in die Hauptkammern.
Elektrophysiologie: Es kommt zur schnellen Depolarisation des kräftigen Kammermuskels.
Q-Zacke: Erregung des Septums (Scheidewand).
R-Zacke: Erregung der Hauptmasse der Kammern (der größte Ausschlag).
S-Zacke: Erregung der Herzbasis.
EKG-Korrelat: Der QRS-Komplex. Er ist schmal (unter 100 ms), da die Leitung über das Spezialgewebe extrem schnell erfolgt.
5. Die Plateauphase (ST-Strecke)
Nach der Erregung sind die Kammern vollständig depolarisiert.
Elektrophysiologie: Ein Gleichgewicht zwischen einströmendem Calcium (für die Kontraktion) und ausströmendem Kalium hält die Zelle kurzzeitig in einem Zustand ohne elektrische Spannungsunterschiede.
EKG-Korrelat: Die ST-Strecke. Sie muss im Normalbefund exakt auf der Nulllinie (isoelektrisch) liegen. Abweichungen deuten oft auf Durchblutungsstörungen hin.
6. Die Erholung (T-Welle)
Das Herz muss sich elektrisch wieder aufladen (Repolarisation), um für den nächsten Schlag bereit zu sein.
Elektrophysiologie: Kaliumionen strömen massiv aus der Zelle aus, um das negative Ruhepotenzial wiederherzustellen.
EKG-Korrelat: Die T-Welle. Sie ist normalerweise in der gleichen Richtung orientiert wie der QRS-Komplex (Konkordanz).
Zusammenfassung der Normalwerte
EKG-Abschnitt | Bedeutung | Normaldauer (ca.) |
P-Welle | Vorhofdepolarisation | < 100 ms |
PQ-Zeit | AV-Überleitungszeit | 120 – 200 ms |
QRS-Komplex | Kammerdepolarisation | < 100 ms |
ST-Strecke | Vollständige Erregung | Isoelektrisch |
QT-Intervall | Gesamte elektrische Kammeraktion | Frequenzabhängig (ca. 350-440 ms) |
Ein kleiner "Fun Fact": Während die Kammern erregt werden (QRS), findet auch die Repolarisation der Vorhöfe statt. Man sieht sie im EKG nur nicht, weil der QRS-Komplex sie elektrisch einfach "übertönt".


Um die Elektrophysiologie eines normalen EKG-Befunds zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, dass das EKG nicht die mechanische Pumparbeit des Herzens (die Kontraktion) aufzeichnet, sondern die elektrischen Ströme, die diese Kontraktion auslösen.
Man kann sich das Herz wie einen elektrischen Schaltkreis vorstellen, in dem sich Spannungsunterschiede ausbreiten und wieder auflösen. Das EKG auf der Körperoberfläche ist die Summe all dieser winzigen Spannungsänderungen.
Hier ist eine ausführliche Erklärung der elektrophysiologischen Vorgänge hinter jedem Abschnitt eines normalen EKGs:
1. Die Grundlage: Das Ruhe- und Aktionspotential
Bevor wir uns die Kurve ansehen, müssen wir verstehen, was in einer einzelnen Herzmuskelzelle passiert.
· Ruhepotential: Eine Herzmuskelzelle ist im Ruhezustand im Inneren negativ geladen (ca. -90 mV). Dies liegt an einer ungleichen Verteilung…