top of page
  • Google+ Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • LinkedIn Social Icon
  • Facebook Social Icon

Essstörung in Freudscher Sicht (Bulimie, Anorexia)

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

Aus einer klassisch psychoanalytischen Perspektive lassen sich Essstörungen als Ausdruck unbewusster Konflikte verstehen. Allerdings würde man heute betonen, dass Essstörungen multifaktorielle Erkrankungen sind, bei denen biologische, familiäre, kulturelle und psychische Faktoren zusammenwirken. Die folgende Darstellung beschreibt daher eine freudianische Deutung, nicht den heutigen medizinischen Konsens.

Jugendliche: Verweigerung des erwachsenen Körpers

In der klassischen Psychoanalyse wurde insbesondere die Anorexie häufig als Konflikt mit dem Eintritt in die geschlechtliche Reife interpretiert.

Mit der Pubertät verändert sich der Körper:

  • Brüste entwickeln sich.

  • Hüften werden breiter.

  • Die Menstruation setzt ein.

  • Die sexuelle Attraktivität nimmt zu.

Für manche Jugendliche kann dies unbewusst als Bedrohung erlebt werden.

Aus psychoanalytischer Sicht könnte das Hungern dann bedeuten:

  • Verweigerung des Erwachsenwerdens,

  • Rückzug in einen kindlichen Zustand,

  • Abwehr sexueller Wünsche und Ängste,

  • Kontrolle über einen als fremd erlebten Körper.

Der extrem schlanke Körper würde symbolisch den Versuch darstellen, die Zeichen der Geschlechtsreife auszulöschen.

In diesem Zusammenhang wurde das Schönheitsideal der 1960er Jahre, verkörpert durch Twiggy, von einigen Psychoanalytikern als kultureller Ausdruck einer Idealisierung von Jugendlichkeit und sexueller Uneindeutigkeit interpretiert.

Erwachsene: Selbstbestrafung

Freud selbst hätte vermutlich die Rolle eines strengen Über-Ichs hervorgehoben.

Bei manchen Betroffenen kann das Hungern unbewusst bedeuten:

  • „Ich darf nichts genießen.“

  • „Ich bin schuldig.“

  • „Ich verdiene keine Nahrung.“

  • „Ich muss mich beherrschen.“

Die Nahrungsverweigerung wird dann zu einer Form der Askese und Selbstbestrafung.

Das Hungergefühl wird nicht mehr als Signal eines Bedürfnisses verstanden, sondern als Prüfung der eigenen Disziplin.

Bestrafung der Umgebung

Die Psychoanalyse hat außerdem auf die Beziehungsdimension von Essstörungen hingewiesen.

Nahrung ist von Geburt an mit Beziehungen verbunden:

  • gefüttert werden,

  • versorgt werden,

  • Liebe empfangen.

Die Verweigerung von Nahrung kann deshalb symbolisch eine Botschaft an wichtige Bezugspersonen enthalten:

  • „Ihr habt mich nicht verstanden.“

  • „Ihr könnt mich nicht kontrollieren.“

  • „Seht mein Leiden.“

  • „Ihr sollt euch Sorgen machen.“

Dabei handelt es sich nicht notwendigerweise um bewusste Manipulation. Die psychoanalytische Sichtweise versteht dies als unbewusste Kommunikation eines inneren Konflikts.

Freuds Grundidee

Freud hätte vermutlich gesagt, dass die Essstörung nicht primär mit Essen zu tun hat.

Das Essen wird vielmehr zur Bühne für tiefere Konflikte:

  • Autonomie versus Abhängigkeit,

  • Kindheit versus Erwachsensein,

  • Lust versus Verbot,

  • Liebe versus Aggression,

  • Körperlichkeit versus Kontrolle.

Der sichtbare Kampf um Kalorien wäre dann der symbolische Ausdruck eines unsichtbaren seelischen Kampfes.

Moderne Einordnung

Heute werden Essstörungen wie Anorexia Nervosa oder Bulimia Nervosa nicht mehr ausschließlich psychoanalytisch verstanden. Forschung zeigt Einflüsse von:

  • genetischer Veranlagung,

  • neurobiologischen Faktoren,

  • Persönlichkeitsmerkmalen,

  • sozialem Druck und Schönheitsidealen,

  • familiären Dynamiken,

  • traumatischen Erfahrungen.

Die psychoanalytische Perspektive bleibt dennoch interessant, weil sie nach der Bedeutung des Symptoms fragt: Nicht nur warum jemand hungert, sondern auch was dieses Hungern psychisch ausdrückt. In diesem Sinn wird die Essstörung als eine symbolische Sprache des Körpers verstanden.

Kommentare


SIGN UP AND STAY UPDATED!
  • Grey Google+ Icon
  • Grey Twitter Icon
  • Grey LinkedIn Icon
  • Grey Facebook Icon

© 2023 by Talking Business.  Proudly created with Wix.com Martin Döhring Engelstrasse 37 in D-55124 Mainz

bottom of page