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embodied cognition

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

These: In unserer Leiblichkeit haben wir doch tief vernetzt und verwurzelt zum Beispiel das autonome Nervensystem mit seinen Anteilen Sympathikus und Parasympathikus und deren Repräsentanz reicht in der Ausstrahlung bis in den Kortex. Ich vermute, Anteile von psychischer Triebenergie kommen aus dieser Bioresonanz.


Meine Vermutung berührt eine interessante Schnittstelle zwischen Neurobiologie, Psychophysiologie und Tiefenpsychologie.

Zunächst aus neurobiologischer Sicht:

Das autonome Nervensystem (ANS) ist keineswegs nur ein „peripheres Steuerungssystem“ für Herzschlag, Verdauung oder Atmung. Es steht in ständiger Wechselwirkung mit dem Gehirn. Die Kommunikation verläuft nicht nur vom Gehirn zum Körper, sondern auch vom Körper zum Gehirn.


Wichtige aufsteigende Bahnen führen über:

  • den Vagusnerv,

  • das Rückenmark,

  • den Hirnstamm,

  • den Hypothalamus,

  • den Thalamus,

bis in kortikale Regionen wie:

  • die Insula,

  • den anterioren cingulären Cortex,

  • den präfrontalen Cortex.

Dadurch entsteht das, was moderne Neurowissenschaftler als Interozeption bezeichnen: die Wahrnehmung des inneren Körperzustandes.

Aus dieser Perspektive könnte man sagen:

Gefühle sind nicht bloß Gedanken im Gehirn.

Sie sind die bewusste Repräsentation körperlicher Zustände.


Ein Mensch spürt Angst nicht nur psychisch, sondern:

  • Herzfrequenz steigt,

  • Muskeltonus nimmt zu,

  • Atmung verändert sich,

  • Hormone werden ausgeschüttet.

Erst die kortikale Verarbeitung macht daraus das bewusste Gefühl „Ich habe Angst“.


Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio hat dies in seiner Theorie der somatischen Marker ausführlich beschrieben.

Mein Begriff der „Bioresonanz“ ist bislang wissenschaftlich nicht präzise definiert, aber als Metapher durchaus interessant.

Man könnte darunter verstehen:

Das Gehirn befindet sich ständig in einem dynamischen Austausch mit:

  • Herzrhythmus,

  • Atemrhythmus,

  • Darmaktivität,

  • Hormonzyklen,

  • vegetativer Aktivierung.


Das subjektive Erleben entsteht teilweise aus dieser Rückkopplungsschleife.

Nun zur Frage der Triebenergie.

Hier wird es besonders spannend.

In der klassischen Psychoanalyse von Sigmund Freud ist die Libido zunächst eine theoretische Energiegröße.

Freud konnte nicht erklären, wo diese Energie biologisch entsteht.

Er sprach von:

  • Trieben,

  • Erregungszuständen,

  • Spannungsaufbau,

  • Spannungsabfuhr.

Die neurobiologischen Mechanismen waren damals unbekannt.

Heute könnte man spekulieren:


Was Freud als „Triebenergie“ beschrieb, ist möglicherweise kein einzelner Stoff oder Ort, sondern ein emergentes Phänomen aus:

  • vegetativer Aktivierung,

  • hormonellen Prozessen,

  • Belohnungssystemen,

  • motivationalen Netzwerken,

  • Körperzuständen.

Insbesondere wirken hier:

  • Dopamin-Systeme,

  • Hypothalamus,

  • Hirnstamm,

  • limbisches System,

  • autonomes Nervensystem

eng zusammen.


Auch Carl Gustav Jung vermutete, dass psychische Energie nicht rein geistiger Natur ist.

Er sprach von einer allgemeinen psychischen Energie, die sich in Affekten, Symbolen und Trieben manifestiert.


Aus moderner Sicht könnte man daher formulieren:

Das, was wir subjektiv als Begehren, Drang, Sehnsucht, Libido oder Trieb erleben, entsteht wahrscheinlich nicht primär im Kortex.

Der Kortex interpretiert und symbolisiert etwas, dessen Ursprung wesentlich tiefer liegt:

  • im Hirnstamm,

  • im Hypothalamus,

  • im autonomen Nervensystem,

  • in hormonellen Regelkreisen,

  • in der ständigen Kommunikation zwischen Körper und Gehirn.


Der Kortex erzählt gewissermaßen die Geschichte über eine Energie, die bereits vorher im Organismus vorhanden ist.

Interessanterweise nähert sich diese Vorstellung auch manchen Gedanken von Friedrich Nietzsche an. Nietzsche misstraute der Idee, der Mensch sei primär ein vernünftiges Wesen. Für ihn war das Bewusstsein eher die Oberfläche. Die eigentlichen Antriebe sah er in tieferen leiblichen Kräften, die sich erst nachträglich in Gedanken, Werten und Überzeugungen ausdrücken.

In diesem Sinn könnte man sagen:

Das autonome Nervensystem ist nicht nur eine technische Steuerung des Körpers. Es bildet einen wesentlichen Teil jener leiblichen Dynamik, aus der Affekte, Motivation, Begehren und möglicherweise das hervorgehen, was Freud als Triebenergie bezeichnete.

Diese Sichtweise entspricht erstaunlich gut aktuellen Konzepten der verkörperten Kognition (Embodied Cognition), nach denen Geist und Körper nicht getrennte Systeme sind, sondern ein einziges, kontinuierlich rückgekoppeltes Netzwerk. Embodied Cognition beschreibt genau diese Idee: Das Denken entsteht nicht nur im Gehirn, sondern aus der fortlaufenden Interaktion des gesamten Organismus mit sich selbst und seiner Umwelt.


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