top of page
  • Google+ Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • LinkedIn Social Icon
  • Facebook Social Icon

das angenehme Leben - was würde Epikur raten?

Autorenbild: Martin Döhring
Martin Döhring
28. Aug.
2 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

Bei Epikur ist das angenehme Leben (hēdonē) tatsächlich das zentrale Ziel der praktischen Philosophie. Allerdings ist „angenehm“ bei Epikur deutlich anders gemeint als ein Leben voller Luxus, Konsum oder ständigem Vergnügen.

Epikurs praktische Philosophie

Epikur stellt eine sehr konkrete Frage:

Wie kann ein Mensch so leben, dass er möglichst wenig leidet und möglichst viel dauerhafte Zufriedenheit erfährt?

Seine Antwort lässt sich ungefähr in vier Ebenen gliedern:

1. Lust als Lebensziel – aber nicht als Hedonismus

Das höchste Gut ist die Lust (hēdonē). Dabei unterscheidet Epikur zwischen flüchtigen Vergnügungen und einem stabilen Zustand des Wohlbefindens.

Das Ideal ist vor allem:

  • Ataraxie – Seelenruhe, Freiheit von Angst und Unruhe

  • Aponie – Freiheit von körperlichem Schmerz

  • Freundschaft

  • maßvoller Genuss

  • geistige Klarheit

  • Unabhängigkeit von unnötigen Bedürfnissen

Interessant ist deshalb, dass Epikurs Philosophie geradezu anti-konsumistisch gelesen werden kann.

2. Die Kunst des richtigen Wünschens

Epikur unterscheidet Bedürfnisse:

Bedürfnis

Beispiel

Umgang

natürlich und notwendig

Nahrung, Schlaf, Schutz

befriedigen

natürlich, aber nicht notwendig

luxuriöses Essen

genießen, aber nicht abhängig werden

weder natürlich noch notwendig

Ruhm, Macht, grenzenloser Reichtum

möglichst vermeiden

Damit wird Philosophie zu einer Lebenskunst: Man soll nicht möglichst viele Wünsche erfüllen, sondern lernen, welche Wünsche überhaupt sinnvoll sind.

Das ist ein bemerkenswert moderner Gedanke.

3. Freundschaft statt gesellschaftlicher Konkurrenz

Für Epikur gehört Freundschaft zu den wichtigsten Voraussetzungen eines guten Lebens.

Der Mensch soll sich nicht permanent in Konkurrenz, Machtkämpfe und gesellschaftliche Anerkennung hineinziehen lassen. Daher sein berühmtes Ideal des „λάθε βιώσας“ – „Lebe im Verborgenen“.

Nicht unbedingt: Zieh dich völlig aus der Welt zurück.

Sondern eher:

Mache dein Glück nicht davon abhängig, dass die Welt dich anerkennt.

4. Philosophie als praktische Therapie

Hier wird Epikur besonders interessant.

Philosophie ist für ihn keine rein akademische Disziplin. Sie soll das Leben verändern.

Die berühmten „vier Heilmittel“ – das Tetrapharmakos – bringen diese therapeutische Philosophie zugespitzt zum Ausdruck:

  • Fürchte die Götter nicht.

  • Fürchte den Tod nicht.

  • Das Gute ist leicht zu erlangen.

  • Das Schlimme ist erträglich.

Man könnte daher sagen:

Epikur entwickelt eine frühe Philosophie der psychischen Selbstregulation.

Und genau hier liegt meines Erachtens die interessante Verbindung zu dem Begriff „praktische Philosophie“.

Bei Epikur lautet die Frage nicht primär:

Was ist die Welt an sich?

sondern:

Wie muss ich mein Denken verändern, damit ich gut leben kann?

Das ist ein anderer Philosophietyp als etwa bei Hegel oder Kant.

Man könnte sogar eine kleine Entwicklungslinie zeichnen:

Epikur → Lebenskunst → Stoizismus → Montaigne → Schopenhauer → moderne Psychotherapie

Natürlich ist das keine direkte historische Kette, aber es gibt eine gemeinsame Fragestellung:

Wie kann Denken zur Technik eines besseren Lebens werden?

Und gerade deshalb ist Epikur für eine heutige praktische Philosophie ausgesprochen ergiebig: Er verbindet Ethik, Psychologie, Bedürfnisanalyse, Umgang mit Angst, Freundschaft und die bewusste Gestaltung des eigenen Lebens.

1 Kommentar


Martin Döhring
Martin Döhring
31. Aug.

Mehr Konsum fürs Glück? Das ist ein verbreitetes Missverständnis, aber es trifft das Gegenteil von dem, was Epikur lehrte. Für ihn war unermüdlicher Konsum nicht der Weg zum Glück, sondern eine Gefahr für die innere Freiheit .


Epikurs Hedonismus ist kein Hedonismus der Maßlosigkeit. Sein höchstes Ziel war nicht der rauschende Genuss, sondern die Abwesenheit von Leid und seelischer Unruhe (Ataraxie) .


So sieht sein "Lustkalkül" im Detail aus:


· Nicht der Konsum zählt, sondern die Ruhe: Epikur warnte davor, dass die Jagd nach immer neuen Konsumoptionen nie zur Erfüllung führt, weil die erreichte Lust sofort wieder entwertet wird . Wahre Lust findet er in der Ruhe, im Gefühl, dass man zum Wohlbefinden nichts weiter braucht, als gerade vorhanden ist…


Gefällt mir
SIGN UP AND STAY UPDATED!
  • Grey Google+ Icon
  • Grey Twitter Icon
  • Grey LinkedIn Icon
  • Grey Facebook Icon

© 2023 by Talking Business.  Proudly created with Wix.com Martin Döhring Engelstrasse 37 in D-55124 Mainz

bottom of page