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"biblegate" - die Bibel lügt!

Autorenbild: Martin Döhring
Martin Döhring
vor 1 Tag
5 Min. Lesezeit

... "biblegate" - die Bibel lügt! ....
... "biblegate" - die Bibel lügt! ....

Wenn man die Bibel als historische Quelle und nicht als theologischen Text betrachtet, gibt es mehrere Stellen, bei denen die biblische Darstellung nach dem heutigen archäologischen und historischen Forschungsstand nicht mit der verfügbaren Evidenz übereinstimmt. Dabei sollte man unterscheiden zwischen nachweislich anachronistisch/falsch, historisch sehr problematisch und nicht unabhängig belegbar.

Wichtige Beispiele

Biblische Darstellung

Historisches Problem

Forschungsstand

1. Die weltweite Sintflut (Gen 6–9)

Eine globale Überschwemmung, bei der nahezu die gesamte Menschheit und alle Landtiere ausgelöscht werden, ist geologisch nicht belegt.

Nicht historisch belegbar; es gibt allerdings mesopotamische Fluterzählungen und regionale Großfluten.

2. Adam und Eva als erstes Menschenpaar (Gen 2–3)

Die Menschheitsgeschichte beginnt nicht mit zwei historisch identifizierbaren Individuen.

Widerspricht der Evolutions- und Populationsgenetik, sofern die Geschichte wörtlich verstanden wird.

3. Kain baut eine Stadt (Gen 4,17)

Kain wird unmittelbar als Stadtgründer dargestellt, obwohl die Geschichte chronologisch vor der Entwicklung urbaner Zivilisation liegt.

Bei wörtlicher Chronologie anachronistisch.

4. Turmbau zu Babel (Gen 11)

Eine Menschheit, die eine einzige Sprache spricht und anschließend durch ein einzelnes Ereignis sprachlich zerstreut wird, ist historisch nicht belegt.

Kein historischer Nachweis; wahrscheinlich literarisch mit mesopotamischen Zikkurats verbunden.

5. Abraham als historisch rekonstruierbare Person

Für Abraham, Isaak und Jakob existieren keine zeitgenössischen außerbiblischen Belege.

Historische Existenz nicht nachweisbar.

6. Die 400 Jahre Israeliten in Ägypten (Ex 12,40)

Ägyptische Quellen und Archäologie liefern keinen Nachweis für eine riesige israelitische Sklavenpopulation und den späteren Exodus in der biblischen Größenordnung.

Ein Exodus in der beschriebenen Größenordnung gilt unter Historikern/Archäologen als nicht belegt.

7. Die zehn Plagen Ägyptens (Ex 7–12)

Es gibt keinen ägyptischen zeitgenössischen Bericht über diese Serie von Katastrophen.

Nicht unabhängig historisch belegt.

8. Exodus von etwa 600.000 Männern (Ex 12,37)

Mit Frauen und Kindern wären das möglicherweise 2–3 Millionen Menschen. Die entsprechende Population lässt sich archäologisch nicht nachweisen.

Demographisch und archäologisch hochproblematisch.

9. Die Eroberung Kanaans durch Josua (Jos 6–12)

Mehrere Städte zeigen eine Besiedlungs- bzw. Zerstörungsgeschichte, die nicht zur biblischen Eroberungschronologie passt. Besonders wichtig: Jericho.

Die klassische Josua-Eroberung wird von der modernen Archäologie nicht bestätigt.

10. Jericho fällt durch Josuas Angriff (Jos 6)

Die berühmten Mauern Jerichos waren nach verbreiteter archäologischer Datierung bereits Jahrhunderte vor der traditionellen Exodus-/Josua-Zeit zerstört bzw. die Stadt war damals nicht in der entsprechenden Form besiedelt.

Eines der bekanntesten archäologischen Probleme.

11. Ai wird von Josua erobert (Jos 7–8)

Das archäologische Ai (et-Tell) war zur angenommenen Zeit der Eroberung weitgehend verlassen.

Problematisch bis widersprüchlich, je nach Identifizierung des Ortes.

12. David als Herrscher eines riesigen Reiches

Die Bibel zeichnet Davids Reich teilweise als große Territorialmacht. Archäologisch ist die tatsächliche Größe und politische Organisation umstritten.

David ist wahrscheinlich historisch, aber die biblische Darstellung seiner Macht ist teilweise umstritten.

13. Salomos gewaltiges Großreich und Reichtum (1 Kön 4–10)

Die archäologischen Befunde lassen sich nicht ohne Weiteres mit dem enormen Staatsapparat und Reichtum vereinbaren, den die Königebücher schildern.

Ausmaß wahrscheinlich literarisch überhöht.

14. Salomos Tempel

Der Tempel selbst ist historisch plausibel und zur Zeit Salomos grundsätzlich möglich, aber die genaue biblische Beschreibung lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Existenz plausibel, Details nicht unabhängig belegbar.

15. Volkszählung unter David (2 Sam 24)

Die Darstellung einer riesigen, zentral organisierten Bevölkerung und eines solchen Verwaltungsapparates passt nur begrenzt zu den archäologisch rekonstruierbaren Verhältnissen des 10. Jh. v. Chr.

Historisch problematisch.

16. Daniel im babylonischen Exil

Das Buch Daniel enthält Kenntnisse über das 6. Jh. v. Chr., macht aber zugleich historische Fehler bei babylonischen und persischen Herrschern.

Von der Forschung meist als spätere Entstehung im 2. Jh. v. Chr. verstanden.

17. Belsazar als „König von Babylon“ (Dan 5)

Belsazar war tatsächlich der Sohn Nabonids und regierte als dessen Stellvertreter, aber nicht als eigentlicher König im üblichen Sinn.

Der biblische Titel ist historisch ungenau, wobei Daniel überraschend korrekte Kenntnisse über Belsazar besitzt.

18. „Darius der Meder“ (Dan 5–6)

Eine historische Person dieses Namens und dieser Herrschaftsposition ist bislang nicht eindeutig identifiziert.

Erhebliches historisches Problem.

19. Kyrus und der Wiederaufbau Jerusalems

Die Bibel stellt Kyrus' Erlass stark auf die Rückkehr der Juden und den Tempelbau zu. Der berühmte Kyros-Zylinder spricht dagegen allgemein von Rückführungen und Tempelkulten und erwähnt Jerusalem nicht.

Biblische Darstellung teilweise historisch plausibel, aber theologisch zugespitzt.

20. Herodes der Große und der Kindermord von Bethlehem (Mt 2)

Außerhalb des Matthäusevangeliums gibt es keinen bekannten unabhängigen Beleg für einen solchen Mordbefehl.

Nicht unabhängig belegt.

21. Volkszählung unter Quirinius zur Zeit der Geburt Jesu (Lk 2)

Quirinius wurde Statthalter von Syrien und führte die bekannte Volkszählung im Jahr 6 n. Chr. durch. Herodes der Große starb jedoch bereits 4 v. Chr.

Das ist eines der deutlichsten chronologischen Probleme des NT.

22. Jesus und die Geburt in Bethlehem

Die Evangelien Matthäus und Lukas erzählen die Geburt in Bethlehem unterschiedlich. Eine unabhängige historische Bestätigung fehlt.

Historisch nicht sicher rekonstruierbar.

23. Auferstehung Jesu

Die Auferstehung ist nicht mit den Methoden der Geschichtswissenschaft als übernatürliches Ereignis nachweisbar.

Historisch kann man die frühe Auferstehungsüberzeugung untersuchen, nicht das Wunder selbst verifizieren.

Besonders interessante Fälle

Drei Beispiele sind für die historische Bibelkritik besonders lehrreich:

1. Exodus/Josua

Die traditionelle Geschichte lautet:

Ägypten → Exodus → 40 Jahre Wüste → Eroberung Kanaans → Josua

Die archäologischen Daten zeigen dagegen eine wesentlich kompliziertere Entstehung Israels. Gerade die frühe israelitische Besiedlung Kanaans scheint eher aus der kanaanäischen Bevölkerung selbst heraus entstanden zu sein, mit allmählicher sozialer und kultureller Differenzierung.

Das bedeutet nicht zwingend: „Es gab überhaupt keinen Exodus.“ Möglich ist durchaus, dass kleinere Gruppen aus Ägypten nach Kanaan kamen und die spätere israelitische Tradition daraus eine große nationale Ursprungsgeschichte entwickelte.

2. Jericho

Die biblische Erzählung ist sehr konkret: Josua zieht gegen Jericho, die Israeliten ziehen um die Stadt, die Mauern fallen.

Das Problem ist die Datierung. Die archäologische Geschichte von Jericho passt nicht einfach zu der traditionellen Eroberungszeit um ca. 1400 bzw. 1200 v. Chr. Deshalb ist Jericho ein klassisches Beispiel dafür, wie eine theologisch-literarische Erzählung nicht ohne Weiteres als chronistischer Bericht gelesen werden kann.

3. Quirinius und Herodes

Hier ist das Problem besonders präzise:

  • Herodes der Große: Tod 4 v. Chr.

  • Quirinius' bekannte Volkszählung: 6/7 n. Chr.

  • Matthäus setzt Jesu Geburt in die Zeit Herodes'

  • Lukas verbindet sie mit der Volkszählung des Quirinius.

Zwischen beiden Ereignissen liegen ungefähr zehn Jahre.

Das ist kein Problem, das man einfach mit „die Bibel ist symbolisch“ lösen muss – es handelt sich zunächst um eine konkrete chronologische Spannung innerhalb der Quellen.

Aber: „historisch falsch“ ist nicht dasselbe wie „Bibel ist wertlos“

Das ist historisch wichtig. Die Bibel ist eine Bibliothek verschiedener Texte aus unterschiedlichen Jahrhunderten, nicht ein einheitliches Geschichtsbuch im modernen Sinn.

Man kann daher gleichzeitig sagen:

Die Bibel enthält historisch unzutreffende oder literarisierte Angaben und ist trotzdem eine außerordentlich wichtige historische Quelle.

Sie enthält beispielsweise sehr wertvolle Informationen über die Entwicklung Israels, Juda, das babylonische Exil, Persien, hellenistische Herrschaft und das römische Palästina.


2 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
vor einem Tag

... das ist die klassische islamische Position. Sie steht in Sure 4, Vers 157-158:


> "und dafür, dass sie sagten: Wir haben den Messias Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes getötet. Aber sie haben ihn nicht getötet und nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen nur so *(wa lakin schubbiha lahum)*. [...] Vielmehr hat Gott ihn zu sich erhoben."


Der Koran sagt nicht, dass die Kreuzigung eingebildet war im Sinne von Halluzination, sondern dass es den Menschen nur so *erschien*, als hätten sie ihn gekreuzigt.


Was genau damit gemeint ist, darüber gibt es im Islam drei Hauptauslegungen:


**1. Die klassische Mehrheitsmeinung - Substitutionstheorie**

Gott hat das Aussehen Jesu auf einen anderen Menschen gelegt, meist wird Judas oder Simon von Kyrene…


Gefällt mir

Martin Döhring
Martin Döhring
vor einem Tag

Hier sind die wichtigsten Punkte, über die in der historisch-kritischen Forschung diskutiert wird. Die vier Evangelien sind keine vier Protokolle desselben Events, sondern vier theologische Darstellungen aus verschiedenen Gemeinden, 40-70 Jahre nach Jesu Tod geschrieben.


**1. Stammbaum und Geburt**


* **Stammbaum:** Matthäus 1 zählt 28 Generationen von David bis Jesus über Salomo. Lukas 3 zählt 41 Generationen über Nathan, einen anderen Sohn Davids. Die Namen zwischen David und Josef sind fast komplett verschieden.

* **Geburtsort und Wohnort:** Bei Matthäus wohnen Maria und Josef in Bethlehem und fliehen danach nach Ägypten, um erst später nach Nazareth zu ziehen. Bei Lukas wohnen sie in Nazareth, reisen wegen der Volkszählung nach Bethlehem, und kehren 40 Tage nach der Geburt direkt nach Nazareth zurüc…


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