Burn-out-Syndrom – Krankheitsbild, Symptome, Diagnostik und Therapie
- Martin Döhring

- 1. Feb. 2019
- 3 Min. Lesezeit

Das Burn-out-Syndrom ist ein Zustand chronischer körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung, der durch lang andauernden Stress entsteht, insbesondere im beruflichen Umfeld. Es handelt sich nicht um eine eigenständige psychiatrische Erkrankung im Sinne einer Diagnose nach der ICD-10 oder ICD-11, sondern um ein arbeitsbezogenes Syndrom.
Die ICD-11 beschreibt Burn-out als:
Ein Syndrom infolge chronischen Stresses am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wurde.
Burn-out ist somit von Depressionen oder Angststörungen abzugrenzen, kann jedoch in diese übergehen.
Entstehung (Pathophysiologie)
Burn-out entwickelt sich meist schleichend.
Auslöser sind häufig:
chronische Überlastung
hoher Leistungsdruck
fehlende Anerkennung
Konflikte am Arbeitsplatz
mangelnde Erholung
Perfektionismus
überhöhtes Verantwortungsgefühl
fehlende Kontrolle über die Arbeit
ungünstige Work-Life-Balance
Dabei werden dauerhaft die Stressachsen aktiviert:
Hypothalamus
Hypophyse
Nebennierenrinde
→ erhöhte Cortisolproduktion
Langfristig kommt es zu
vegetativer Dysregulation
Schlafstörungen
verminderter Neuroplastizität
Erschöpfung der Stressregulation.
Die drei Kernsymptome nach Maslach
Die bekannteste Beschreibung stammt von der Psychologin Christina Maslach.
1. Emotionale Erschöpfung
Betroffene berichten:
völlige Kraftlosigkeit
Gefühl "ausgebrannt" zu sein
Müdigkeit trotz Schlaf
fehlende Energie
2. Depersonalisation bzw. Zynismus
Typisch sind:
Gleichgültigkeit
innere Distanz
Gereiztheit
Zynismus gegenüber Kollegen oder Patienten
Verlust von Empathie
3. Verminderte Leistungsfähigkeit
Betroffene erleben:
Konzentrationsstörungen
Gedächtnisprobleme
Fehlerhäufigkeit
sinkende Motivation
Gefühl des Versagens
Weitere Symptome
Psychische Symptome
Erschöpfung
Antriebslosigkeit
Reizbarkeit
Hoffnungslosigkeit
Niedergeschlagenheit
Angst
Grübeln
Verlust von Freude
innere Leere
Körperliche Symptome
Schlafstörungen
Muskelverspannungen
Kopfschmerzen
Rückenschmerzen
Herzrasen
Blutdruckanstieg
Magen-Darm-Beschwerden
Schwindel
chronische Müdigkeit
erhöhte Infektanfälligkeit
Kognitive Symptome
Konzentrationsstörung
Vergesslichkeit
verlangsamtes Denken
Entscheidungsprobleme
Verhaltensänderungen
sozialer Rückzug
steigender Alkohol- oder Nikotinkonsum
häufige Fehlzeiten
Leistungsabfall
Aggressivität
Vernachlässigung der Selbstfürsorge
Stadien
Ein häufig verwendetes Modell beschreibt folgende Entwicklung:
übermäßiger Ehrgeiz
Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Verdrängung erster Warnzeichen
Leistungsabfall
emotionale Abstumpfung
Hoffnungslosigkeit
vollständige Erschöpfung
Diagnostik
Da Burn-out keine eigenständige Diagnose ist, erfolgt die Diagnostik durch eine umfassende ärztliche und psychologische Beurteilung.
1. Anamnese
Wichtige Fragen betreffen:
berufliche Belastung
Arbeitszeiten
Konflikte
Schlaf
Freizeit
Erholung
familiäre Belastungen
Alkohol
Medikamente
2. Körperliche Untersuchung
Zum Ausschluss anderer Ursachen:
Blutdruck
Herz
Lunge
neurologischer Status
Gewicht
3. Psychiatrische Untersuchung
Erfassung von:
Stimmung
Antrieb
Affekt
Konzentration
Gedächtnis
Suizidalität
Angst
Zwangssymptomen
4. Labor
Zum Ausschluss körperlicher Ursachen werden häufig bestimmt:
kleines Blutbild
Ferritin
Vitamin B12
Folsäure
Vitamin D (je nach Situation)
TSH
Elektrolyte
Nierenwerte
Leberwerte
Blutzucker bzw. HbA1c
CRP
Je nach klinischem Verdacht können weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
5. Fragebögen
Häufig verwendet werden:
Maslach Burnout Inventory (MBI)
Copenhagen Burnout Inventory (CBI)
Oldenburg Burnout Inventory (OLBI)
Beck-Depressions-Inventar (BDI)
PHQ-9 (zur Erfassung depressiver Symptome)
Differentialdiagnosen
Burn-out muss von anderen Erkrankungen abgegrenzt werden, darunter:
Depression
Angststörung
Anpassungsstörung
Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS)
Hypothyreose
Anämie
Schlafapnoe
Long COVID
Demenz (bei älteren Menschen)
Medikamentennebenwirkungen
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und möglichen Begleiterkrankungen.
1. Stressreduktion
Die wichtigste Maßnahme ist die Verringerung der auslösenden Belastungen:
Arbeitszeit reduzieren
Pausen einhalten
Urlaub
Delegation
klare Grenzen setzen
Überstunden abbauen
2. Psychotherapie
Die wirksamste Behandlung ist häufig eine Psychotherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Ziele sind:
Stressbewältigung
Veränderung ungünstiger Denkmuster
Umgang mit Perfektionismus
Aufbau von Problemlösestrategien
Förderung der Selbstfürsorge
Je nach individueller Situation können auch andere Verfahren wie achtsamkeitsbasierte oder psychodynamische Therapien sinnvoll sein.
3. Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert nachweislich:
Schlaf
Stimmung
Konzentration
Stressresistenz
Empfohlen werden:
Ausdauertraining
Spaziergänge
Schwimmen
Radfahren
Yoga
4. Schlafhygiene
feste Schlafzeiten
kein Bildschirm vor dem Schlafen
wenig Alkohol
wenig Koffein am Abend
ruhiges Schlafzimmer
5. Entspannungsverfahren
Wirksam können sein:
Progressive Muskelrelaxation
Atemübungen
Meditation
Achtsamkeitstraining
Autogenes Training
6. Medikamente
Es gibt kein spezifisches Medikament gegen Burn-out.
Eine medikamentöse Behandlung kann jedoch angezeigt sein, wenn zusätzlich eine klar diagnostizierte Erkrankung vorliegt, beispielsweise:
Depression (z. B. Antidepressiva)
Angststörung
ausgeprägte Schlafstörung (möglichst nur kurzfristig und gezielt behandelt)
7. Soziale Unterstützung
Hilfreich sind:
Gespräche mit Familie und Freunden
betriebliche Beratung
Coaching
Selbsthilfegruppen
Prognose
Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose meist gut. Die Erholung kann jedoch Wochen bis Monate dauern. Ohne Veränderung der belastenden Lebens- oder Arbeitsbedingungen besteht ein erhöhtes Risiko für Rückfälle oder die Entwicklung einer Depression oder anderer stressassoziierter Erkrankungen.
Prävention
Zur Vorbeugung eines Burn-out-Syndroms tragen insbesondere bei:
realistische Arbeitsziele
regelmäßige Erholungsphasen
ausreichender Schlaf
körperliche Bewegung
soziale Kontakte
achtsamer Umgang mit eigenen Belastungsgrenzen
frühzeitige Unterstützung bei anhaltendem Stress
Ein bewusster Ausgleich zwischen Anforderungen und Erholung ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegen chronische Überlastung.




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